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Berlioz
Symphonie fantastique
Lélio, ou le retour à la vie

Hector Berlioz erachtete die Verknüpfung der Symphonie fantastique, seines bekanntesten Werkes, und Lélio, der selten aufgeführten Fortsetzung, als sein ganz persönliches künstlerisches Statement. Er komponierte Lélio als „Fazit und Ergänzung“ seiner Symphonie fantastiquedie Auflösung der gequälten Geschichte des früheren Werkes, eine Antwort auf das in der Spannung gehaltene Ende der Sinfonie, und vor allem ein Zeugnis der Heilkraft der Musik. Zusammengenommen bilden sie die Episode aus dem Leben eines Künstlers—eine gewagte Mischung aus Autobiografie und Fantasie, Sinfonie und Theater, Musik und Literatur, die wahrlich sui generis ist, ein einzigartiges Werk kreativer Vorstellungskraft und schamloser Selbstdarstellung.

Auch zu Berlioz‘ Lebzeiten wurde Lélio selten zusammen mit seinem berühmteren Pendant aufgeführt. Berlioz selbst erlebte sein dramatisches Werk, die Episode aus dem Leben eines Künstlers, nur ein einziges Mal, 1855 in einer Aufführung durch seinen revolutionären Weggefährten Franz Liszt, in seiner Ganzheit exakt so wie er es sich vorgestellt hatte: die Sinfonie wurde in der ersten Hälfte des Programms gespielt, mit einem Vorhang vor den Musikern zu Beginn von Lélio—um anzudeuten, dass wir nun die Musik der Imagination des Künstlers hören—welcher für das Finale von Lélio wieder geöffnet wurde, da die Musik selbst dann wieder im Zentrum des Geschehens steht.

„Ich komme nun zum höchsten Drama meines Lebens,“ schrieb Berlioz in seinen Memoiren zu Beginn des Kapitels als er Shakespeare und die junge irische Schauspielerin Harriet Smithson entdeckt. „Shakespeare, der sich unerwartet an mich heranschlich, schlug bei mir ein wie ein Donnerschlag,“ schrieb er, nach dem Besuch einer Vorführung des Hamlet am Odéon Theater am 11. September 1827. Aber es war Smithson, die als Ophelia auftrat, sowie vier Tage später als Julia, die sein Herz ergriff und einen der grandiosesten Kreativitätsausbrüche der Kunst der Romantik in Bewegung setzte.

Berlioz begann die Arbeit an der Symphonie fantastique fast sofort und sie wurde bald zu einer vereinnahmenden Leidenschaft. Obwohl sie einander erst nach der Vollendung des Werks treffen sollten, war er während der gesamten Kompositionsphase von Harriet besessen. Am 16. April  1830, schrieb er an seinen Freund Humbert Ferrand, dass er seine neue Sinfonie vollendet habe, die eine altbekannte Geschichte erzählt: ein Mann verliebt sich hoffnungslos in eine Frau, die seine gesamte Sehnsucht verköpert, und wird von wiederkehrenden Gedanken an sie geplagt; in einem Verzweiflungsanfall vergiftet er sich mit Opium; und zuletzt, in einer furchtbaren drogenbeinflussten Vision, träumt er, er sei zu Tode verurteilt und erlebt seine eigene Hinrichtung. Die Sinfonie ist in fünf Sätze gegliedert, die alle ein einziges Leitmotiv verarbeiten—die Harriet Smithson verkörpernde idée fixe, die in jedem Satz wiederkehrt und zum Schluss verwandelt wird. Dieses Werk war für die damalige Zeit musikalisch einzigartig.

Die Idee zu einer Fortsetzung der Symphonie fantastique war nicht von Berlioz‘ Betörung über Harriet Smithson inspiriert, sondern von der Nachricht, dass ihn seine eigentliche Verlobte, Marie Moke, wegen eines Anderen verlassen hatte—dem berühmten Klavierfabrikanten Camille Pleyel. Berlioz fiel umgehend in eine emotionale Krise, die nur durch das Schaffen eines neuen Kunstwerks bewältigt wurde, in welchem Marie ihrer Identität beraubt und in die laufende Smithson‘sche Fantasie absorbiert wurde. Berlioz erwähnte diese neue Komposition erstmalig am 6. Juni 1831, als er sie seiner Schwester Adèle als „ein Werk, das halb Musik und halb Poesie ist,“ beschrieb. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon die rasche Entscheidung getroffen, bereits komponierte Musikstücke zu benutzen und diese mit selbst verfassten theatralischen Monologen zu verknüpfen. „Dieses ist nach der Sinfonie aufzuführen und ergibt ein komplettes Konzertprogramm.“ Der Großteil des Werks war innerhalb von etwas mehr als einer Woche fertig. Berlioz nannte das neue Stück einen mélologue, eine Verschmelzung der Begriffe Monolog und Melodram, die er von Thomas Moores Buch Über die nationale Musik, Ein Melolog übernommen hatte,  welches er in einer französischen Übersetzung gelesen hatte.

„Die Geschichte beginnt nach dem „Hexensabbat,“ [dem Finale der Symphonie fantastique] in dem Moment, als der Künstler wieder zu Leben erwacht,“ schrieb er. Und die Person des Lélio, einer Sprechrolle für einen „erstklassigen dramatischen Schauspieler,“ ist derselbe Künstler, der musikalisch in der Sinfonie Ausdruck findet. Die beiden Stücke wurden erstmalig zusammen in einem „grand concert dramatique“ am 9. Dezember 1832 aufgeführt. Victor Hugo, Alexandre Dumas, Franz Liszt, und Luigi Cherubini waren im Publikum, sowie Harriet Smithson, die unwissentlich die Musik des ganzen Abends inspiriert hatte. Am nächsten Tag berichtete Berlioz an Adèle, dass das Konzert ein „außerordentlicher Erfolg“ war, obschon die Pressestimmen von Begeisterung bis unverblümten Hass reichten. Lélio war es, nicht die Symphonie fantastique, die Berlioz zum Darling der Avantgarde von Paris machte, das damals das Zentrum der Musikwelt war. Wie das Journal des débats nach der Premiere berichtete, „dieser junge Mann hat von diesem Tage an das Publikum zu seinen Füßen.“  

Für die Partitur zu Lélio, wandte sich Berlioz an sechs voneinander unabhängige Werke, die er kurz zuvor komponiert hatte: eine Vertonung von Goethes Ballade der Fischer für Tenor und Klavier; eine Überarbeitung für Chor des Aufrufs an die Pharaonen aus der Kantate Cléopâtre, nunmehr für die Geisterszene aus Hamlet angepasst; den Gesang der Briganten für Baß-Bariton und Männerchor (wahrscheinlich eine Neufassung des verlorengegangenen Chansons de pirates, einer Vertonung von Victor Hugo aus 1829); und zwei Szenen aus La mort d’Orphée—eine sanfte Ode für Tenor und Orchester mit aufwendiger Harfenbegleitung, und ein geflüstertes instrumentales Larghetto für Orchester. Für das Finale benutzte Berlioz seine kunstvoll ausgearbeitete Fantasie für Sänger und Orchester zu Shakespeares Der Sturm welche er 1830 komponiert hatte.

Harriet Smithson betrat Berlioz‘ Leben am 10. Dezember 1832, dem Tag nach der Erstaufführung der kompletten Episode aus dem Leben eines Künstlers. Smithson hatte eine Logenkarte zum Konzert erhalten, wo sie Berlioz‘ leidenschaftliche Geschichte aufnahm—kaum drei Meter vom Komponisten sitzend—ohne, wie Berlioz später berichtete, jemals zu denken „dass sie selbst die Heldin dieses seltsamen und trübseligen Dramas sein könnte.“ Jedoch während der Aufführung von Lélio, mit seinem Fokus auf Shakespeare und insbesondere auf Julia und Ophelia, ihrer beiden Paraderollen, begann Smithson plötzlich die unglaubliche Wahrheit zu ahnen.

Am nächsten Tag begegneten die beiden sich zum ersten Mal Angesicht-zu-Angesicht. Mitte Dezember waren sie bereits romantisch liiert. Im Februar bat er um ihre Hand und sie akzeptierte. Trotz eindringlicher Einsprüche beider Familien heirateten sie am 3. Oktober 1833. Ein Sohn, Louis, wurde im August 1834 geboren. Bereits zu Anfang der 1840-er Jahre hatte sich das Paar auseinandergelebt. Mit dem Ende ihrer Schauschpielkarriere und ihrer zerbröckelnden Ehe wurde Harriet zunehmend bedrückt und eifersüchtig. Nicht ohne Grund, denn 1842 trat Berlioz mit einer jungen Sängerin, Marie Recio, eine heimliche Reise nach Brüssel an. Im Laufe desselben Jahres zog er mit Marie in einen gemeinsamen Haushalt ein, seine Beziehung mit Harriet nunmehr wieder ebenso fiktiv wie vor ihrem ersten Zusammentreffen.

1848 erlitt Harriet einen Schlaganfall und war im späteren Verlauf vollbehindert. Berlioz besuchte sie regelmäßig und zeigte nun auch zunehmendes Interesse an ihrem gemeinsamen Sohn. Harriet starb am 3. März 1854. Nach einer respektvollen Wartezeit heiratete Berlioz Marie, die bereits seit über einem Dutzend Jahren seine Begleiterin gewesen war. Am Tag vor ihrer Hochzeit beendete Berlioz die Arbeit an seinen Memoiren, in welchen die gesamte Geschichte seiner außergewöhnlichen Liebe zu Harriet Smithson in akribischem Detail erzählt wird. Marie wird dort nicht ein einziges Mal erwähnt.

Phillip Huscher its der Programmkommentator für das Chicago Symphony Orchestra. Übersetzung: Milos Kovacevic

 

ANMERKUNG ZU DIESEN KONZERTEN UND DIESER EINSPIELUNG

Diese Aufnahme entstand aus mehreren Konzertaufführungen von Berlioz’ Symphonie fantastique und Lélio in der Chicagoer Orchestra Hall im September 2010. Die Konzerte dieses selten aufgeführten Doppelprogramms waren ein Versuch, das Wesen des ursprünglichen Konzepts von Berlioz’ wiederherzustellen—eine Wanderung vom Instrumentaldrama der Symphonie fantastique in die Theatersphäre von Lélio, wenn Gérard Depardieu die Bühne betritt, um Berlioz’ Geschichte zu erzählen. Ein dünner Vorhang wurde zu Beginn von Lélio zwischen den Musikern und dem Publikum heruntergelassen, der gemäß Berlioz‘ Wunsch erst für das Finale wieder hochgezogen wurde.

Sie werden womöglich bemerken, dass Depardieus Stimme dem Hörer während der Erzählung näherkommt oder sich wieder entfernt und dass die Vokalsolisten, das CSO und der Chor weiter entfernt klingen, als auf anderen Aufnahmen. Depardieu hat sich vor dem Vorhang hin- und herbewegt und war mal den Mirkofonen näher mal weiter entfernt. Der Vorhang erzeugt einen “verschleierten” Orchester- und Chorklang (bis der Vorhang dann für die Fantaisie sur la tempête de Shakespeare wieder hochgezogen wird). Diese Effekte sollten als Resultat einer Aufführung nach Berlioz’ Anweisungen und als Teil eines einzigartigen Konzerterlebnisses verstanden werden.

 

 

RICCARDO MUTI

Der in Neapel geborene Riccardo Muti zählt zu den führenden Dirigenten unserer Zeit. Als er 2010 zum zehnten Musikdirektor des Chicago Symphony Orchestra (CSO) ernannt wurde, hatte Muti bereits über vierzig Jahre Erfahrung als Leiter des Maggio Musicale, des Philharmonia Orchestra, des Philadelphia Orchestra, und des Teatro alla Scala. Es ist Gastdirigent bei den Berliner Philharmonikern, Wiener Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Metropolitan Opera und vielen anderen.

Muti studierte Klavier bei Vincenzo Vitale am Konservatorium von San Pietro a Majella in seiner Heimatstadt Neapel und absolvierte sein Studium mit Auszeichnung. Daraufhin diplomierte er, ebenfalls mit Auszeichnung, in den Fächern Komposition und Dirigieren am Giuseppe Verdi Konservatorium in Mailand, wo seine wichtigsten Lehrer Bruno Bettinelli und Antonino Votto waren. Letzterer war erster Korrepetitor unter Arturo Toscanini an der Mailänder Scala. Nachdem er 1967 den Guido Cantelli Dirigentenwettbewerb in Mailand gewann—nach dem einstimmigen Votum der Jury—entwickelte sich seine Karriere rasant. 1968 wurde er Chefdirigent des Maggio Musicale in Florenz, eine Position die er bis 1980 innehatte.

Herbert von Karajan lud ihn 1971 ein, bei den Salzburger Festspielen zu dirigieren. Bis heute verbindet Muti eine über vierzig-jährige enge Freundschaft mit den Festspielen und seinem Orchester, den Wiener Philharmonikern. Als er 1992 das Jubiläumskonzert zum 150-jährigen Bestehen der Philharmoniker dirigierte, wurde ihm der Goldene Ring überreicht, ein besonderes Zeichen der Wertschätzung und Zuneigung, und 2001 wurde sein herausragender Beitrag zu diesem Orchester außerdem mit der Otto-Nicolai-Goldmedallie gewürdigt. Darüber hinaus ist er Preisträger der Silbermedaille des Salzburger Mozarteums für seinen Beitrag zur Musik von W.A. Mozart. Er ist Ehrenmitglied der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde, der Wiener Hofmusikkapelle, der Wiener Philharmoniker, und der Wiener Staatsoper.

Muti wurde 1973 als Nachfolger von Otto Klemperer zum Chefdirigenten und Musikdirektor des Philharmonia Orchestra ernannt und hatte diese Stellung bis 1982 inne. Von 1980 bis 1992 war er Musikdirektor des Philadelphia Orchestra und wurde 1986 zum Musikdirektor der Mailänder Scala ernannt. Während seiner neunzehnjärigen Amtszeit dirigierte Muti, neben großen Projekten wie der Mozart-Da Ponte-Trilogie und Wagners Ring-Zyklus, Opern- und Orchesterrepertoire vom Barock bis zur Gegenwart, wobei er auch hunderte Orchesterkonzerte mit der Filarmonica della Scala leitete und weltweite Operntourneen mit dem Opernensemble und dem Orchester unternahm. Seine Amtszeit als Musikdirektor, der längsten in der Geschichte der Scala, gipfelte in der triumphalen Wiedereröffnung des restaurierten Opernhauses mit Antonio Salieris Europa riconosciuta, die ursprüglich speziell für die Eröffnung der Scala 1778 kopmponiert worden war.

Als Teil eines Projektes der Festspiele von Ravenna, Le vie dell’Amicizia (die Wege der Freundschaft), hat er seit 1997 jedes Jahr in von Krieg und Armut gezeichneten Gebieten der Welt großangelegte Konzerte dirigiert, deren Ziel es ist, durch Musik Hoffnung und Einheit zu stiften, sowie Aufmerksamkeit auf akutuelle soziale, kulturelle und humanitäre Themen zu lenken.

Muti hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten. Er ist Cavaliere di Gran Croce der italienischen Republik, Offizier der französischen Ehrenlegion und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Königin Elizabeth II würdigte ihn mit dem Ehrentitel eines Knight Commander of the British Empire, der russische Präsident Wladimir Putin überreichte ihm den Freundschaftsorden und Papst Benedikt XVI zeichnete ihn als Großkreuzritter erster Klasse des Gregoriusordens aus—der höchsten päpstlichen Ehrung. Muti erhielt außerdem Israels Wolf-Preis für die Künste, Schwedens renommierten Birgit-Nilsson-Preis, Spaniens Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Kunst und die Goldmedaille des italienischen Außenministeriums für seine Dienste um die Verbreitung der italienischen Kultur im Ausland. Mehr als zwanzig Universitäten weltweit verliehen ihm die Ehrendoktorwürde.

Der zu den führenden Verdi-Interpreten unserer Zeit gezählte Muti hat ein Buch über den Komponisten—Mein Verdi—geschrieben, das auf Italienisch, Deutsch und Japanisch erschienen ist. Seine Autobiografie, Riccardo Muti: Eine Autobiografie: Zuerst die Musik, dann die Worte, ist ebenfalls in mehrere Sprachen übersetzt.

Riccardo Mutis hunderte von Einspielungen umfassende Diskografie reicht vom traditionellen Orchester- und Opernrepertoire bis hin zur Musik der Gegenwart. Seine Debuteinspielung mit dem Chicago Symphony Orchestra and Chorus von Verdis Messa da Requiem, die 2010 von CSO Resound veröffentlicht wurde, erhielt zwei Grammy-Auszeichnungen. Seine zweite Aufnahme mit dem CSO and Chorus, Verdis Otello, die 2013 bei CSO Resound erschien, gewann den 2014 International Opera Award für die beste Gesamteinspielung einer Oper.

Während seiner Auftritte mit dem CSO ist es Muti gelungen, das Publikum in Chicago und der ganzen Welt durch sein musikalisches Schaffen und seinen erwiesenen Einsatz für die Verbreitung klassischer Musik für sich zu gewinnen. Das erste seiner jährlichen Gratiskonzerte als CSO Musikdirektor zog mehr als 25.000 Zuhörer in den Millennium Park. Er lädt regelmäßig Abonnenten, Studenten, Senioren und Mitbürger mit geringen Einkommen dazu ein, seine Orchesterproben mit dem CSO gratis zu besuchen. Durch Mutis Einsatz für künstlerische Exzellenz und sein Engagement für eine enge Einbindung des Orchesters in die Gemeinschaft erzielt das Chicago Symphony Orchestra immer höhere Glanzleistungen.

www.riccardomutimusic.com

 

GÉRARD DEPARDIEU / ERZÄHLER

Gérard Depardieu ist in Châteauroux, Frankreich geboren. Mit zwölf Jahren verließ er sein Elternhaus und zog nach Paris, wo er vier Jahre später in die Theaterschule von Charles Dullin, das „Atelier“, aufgenommen wurde. Er schloss seine Ausbildung an der Cours d’art dramatique bei Jean-Laurent Cochet ab und begann seine Karriere als Mitglied der Theatertruppe des Café de la Gare.  Depardieus erste Filme folgten in den 1960er Jahren, sein Durchbruch kam 1974 in Bertrand Bliers Les valseuses.

Depardieu arbeitete daraufhin mit den prominenten Vertretern der Nouvelle Vague zusammen—Jean-Luc Godard, Alain Resnais und François Truffaut, sowie mit so namhaften Regisseuren wie Maurice Pialat, André Téchiné, Alain Corneau, Claude Miller, Marguerite Duras, Claude Zidi und Francis Veber. Einer seiner größten Erfolge kam 1990, als er die Titelrolle in Jean-Paul Rappeneaus Berabeitung von Rostands Cyrano de Bergerac übernahm. Seither hat Depardieu sein Repertoire erweitert, welches auch englischsprachige Filme umfasst. Weitere Highlights seiner Filmkarriere sind unter anderem Corneaus Tous les matins du monde (1991), Ridley Scotts 1492: Conquest of Paradise (1992), Claude Berris Germinal (1993), Kenneth Branaghs Hamlet (1996), und Roland Joffés Vatel (2000). Darüberhinaus ist er in zwei erfolgreichen Fernsehfilmen aufgetreten, in der Titelrolle des Graf von Monte-Cristo nach Alexandre Dumas (1998) und als Jean Valjean in Les Misérables nach Victor Hugo (2000). Er feierte einen großen Publikumserfolg als Obelix in drei Filmversionen der Comics von Albert Uderzo and René Goscinny. In den letzten Jahren war er in Ang Lees Life of Pi (2012) zu sehen, sowie in der Hauptrolle in Abel Ferraras Welcome to New York (2014) sowie mit Isabelle Huppert in Guillaume Nicloux’ Valley of Love (2015), welcher in die Offizielle Auswahl des Cannes Film Festival aufgenommen wurde.

1984 absolvierte Depardieu sein Regiedebut mit einer Filmbearbeitung von Molières Tartuffe, in welcher er ebenfalls die Titelrolle spielte. Er ist ein großer Bewunderer des hl. Augustin und gab daher am 11.2.2003 die erste öffentliche Lesung der Bekenntnisse in der Kathedrale Notre-Dame in Paris.

Im Bereich der klassischen Musik ist Depardieu als Erzähler in Strawinskys Oedipus rex am Teatro San Carlo in Neapel und in Kodálys Háry János an der Opéra National in Montpellier aufgetreten, beide unter der Regie von Jean-Paul Scarpitta; sowie am Théâtre des Champs Elysées in Paris; und bei den Salzburger Festspielen in Berlioz’ Lélio ou le retour à la vie und Prokofiews Ivan der schreckliche, beide unter der Leitung von Riccardo Muti.

Gérard Depardieus erste Autobiografie, Lettres volées, ist 1988 erschienen. Eine weitere, Ca s’est fait comme ça, ist 2014 veröffentlicht worden.

 

MARIO ZEFFIRI / TENOR

Mario Zeffiri gehört zu den fürhenden Vertretern des Belcanto-Repertoires und gastiert an den bedeutendsten europäischen Opernhäusern. Die Mailänder Scala, die Opern von Rom, Turin, Bologna, Florenz, Triest, Palermo, das „Teatro La Fenice‟ in Venedig und das „Teatro San Carlo‟ in Neapel sind nur einiege der renommierten italiensischen Bühnen, wo er aufgetreten ist. In Deutschland war er an der Deutschen Oper wie der Komischen Opera in Berlin, den Opernhäusern von Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Leipzig sowie der Hamburgischen Staatsoper und der Dresdner Semperoper zu hören. In Frankreich hat Zeffiri an der „Opéra de Paris-Palais Garnier‟, der „Opéra Comique‟ sowie den Opernhäusern von Bordeaux, Nizza, Montpellier, Toulon oder Avignon, in Belgien am „Théatre Royal de La Monnaie‟ oder der „Opéra Royale de Wallonie‟ gesungen; dazu kommen Auftritte an den Bühnen von Helsinki, Moskau, St. Petersburg, Tallinn, Barcelona („Liceu‟), Santiago, Glasgow, Stockholm, Malta oder Athen.

Sein Repertoire umfasst mehr als 45 Hauptrollen, darunter Don Ottavio (Don Giovanni), Belmonte (Entfürung aus dem Serail), Ferrando (Così fan tutte), Tamino (Zauberflöte), Titus (La Clemenza di Tito), Argirio (Tancredi), Arnold (Guillaume Tell), Ernesto (Don Pasquale), Fernando (Favorita), Edgardo (Lucia di Lammermoor), Tonio (Fille du régiment), Arturo (Puritani), Elvino (La Sonnambula), Duca di Mantova (Rigoletto), Alfredo (Traviata), Nadir (Pêcheurs de perles), Gérald (Lakmé), Léopold (La Juive), Faust (Faust und Damnation de Faust), Georges Brown (Dame Blanche), Sänger (Rosenkavalier), Narraboth (Salome), Leukippos (Daphne).

Ein ähnlich breit gefächertes Repertoire kann Zeffiri im Lied- und Konsertsektor vorweisen: Dazu gehören das deutsche ebenso wie das französische Kunstlied sowie eine große Zahl von Oratorienpartien, und diese speigeln die fünf Sprachen wieder, die der Künstler fließsend spricht. Er konzertierte beim „Festival de Radio France‟, den Salzburger Festspielen, dem Wiener Musikverein, der Berliner Philharmonie, der Essener Philharmonie, der Carnegie Hall, mit dem Chicago Symphony Orchestra, beim „Maggio Musicale Fiorentino‟, dem „Herodes Atticus Odeon‟ in Athen, dem Ravenna Festival oder dem Alfredo Kraus Auditorium in Las Palmas.

Mario Zeffiri arbeitet regelmäßig mit so bedeutenden Dirigenten wie Roberto Abbado, Nello Santi, Jesus Lopez-Cobos, Daniele Gatti, Gianluigi Gelmetti, Alberto Zedda, René Jacobs; eine besonders fruchtbare Zusammanarbeit verbindet ihn darüber hinaus mit Riccardo Muti. Ein besondere Höhepunkt in Zeffiris Karriere waren die Konzerte und die Einspielung des Verdi-Requiem mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Muti, eine Aufnahme, die mit zwei Grammy Awards (Best Classical Recording und Best Choral Work 2010) ausgezeichnet wurde. Mario Zeffiri wurde in Athen geboren und studierte zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Athen. Als Stipendiat der „Maria Callas Foundation‟ komplettierte er seine Gesangsstudien in Italien an der „Accademia del Teatro alla Scala‟ und später in Spanien mit dem Tenor Juan Oncina sowie schließlich in Berlin mit Kammersänger Peter Gougaloff.

 

KYLE KETELSEN / BASS-BARITONE

Der amerikanische Bass-Bariton Kyle Ketelsen ist weltweit bei führenden Opernhäusern und Sinfonieorchestern wegen seiner charismatischen Bühnenpräsenz und seines einprägsamen Timbres gefragt. Herr Ketelsen hat die Spielzeit 2014-2015 der Lyric Opera of Chicago als Leporello eröffnet, in einer Neuinszenierung von Don Giovanni unter der Leitung von Sir Andrew Davis und der Regie von Robert Falls. Andere Opernhighlights der aktuellen Spielzeit sind seine Rückkehr als Leporello zur Canadian Opera Company und als Cadmus in Semele an der Brooklyn Academy of Music, sowie die Wiederaufnahme seiner vielgerühmten Rolle als Escamillo in Carmen an der Minnesota Opera unter der Leitung von Michael Christie und beim Chorégies d’Orange Festival in Frankreich. Herr Ketelsens sinfonische Engagements umfassen Mozarts Requiem mit Pinchas Zukerman und dem Colorado Symphony Orchestra.

Während der Spielzeit 2013-2014 absolvierte Herr Ketelsen sein Debut beim Opernhaus Zürich als Méphistophélès in einer Neuinszenierung von Faust und an der Staatsoper Berlin in der Titelrolle in Le nozze di Figaro, und er kehrte zur Lyric Opera of Chicago als Basilio in einer Neuinszenierung des Il barbiere di Siviglia zurück. Herr Ketelsen nahm mit Escamillo und Leporello an der Bayerischen Staatsoper zwei seiner Paraderollen wieder auf, letztere unter der Leitung von Louis Langrée. Höhepunkte seiner konzertanten Arbeit waren Rossinis Stabat Mater mit dem Mostly Mozart Festival des Lincoln Center unter der Leitung von Gianandrea Noseda und Händels Messias mit dem Mormon Tabernacle Choir.

Herr Ketelsen gewann mehrere erste Preise bei internationalen Gesangswettbewerben, unter anderem bei den Metropolitan Opera National Council Auditions, der Richard Tucker Music Foundation (Career Grant), der George London Foundation, der Licia Albanese-Puccini Foundation, der Sullivan Foundation, dem Opera Index, den MacAllister Awards, der Fort Worth Opera, der National Opera Association, der Connecticut Opera und der Liederkranz Foundation.

 

DUAIN WOLFE / CHORUS DIRECTOR

Duain Wolfe wurde im Fruhjahr 1994 von Daniel Barenboim zum Leiter des Chicago Symphony Chorus ernannt, womit er die Nachfolge der Grunderin des Chors, Margaret Hillis, antrat. Er hat mit dem Chicago Symphony Chorus mittlerweile uber einhundert Konzertprogramme einstudiert, die in der Orchestra Hall and beim Ravinia Festival aufgefuhrt worden sind, sowie bei rund einem Dutzend Werken fur kommerzielle CD-Einspielungen. Wolfe leitet zudem Chorwerke beim Aspen Music Festival und dem National Arts Centre Orchestra in Ottawa und ist Grunder und Leiter des Colorado Symphony Chorus.

Unter den vielen Auffuhrungen, die Wolfe mit dem Chor einstudiert hat finden sich Cherubinis Requiem, Brahms’deutsches Requiem, Orffs Carmina Burana, Verdis Requiem und Otello—alle unter der Leitung von Riccardo Muti—Haydns Schöpfung, Schostakowitschs Babi-Yar-Sinfonie, Bachs Matthaus-Passion, Johannes-Passion und Weihnachtsoratorium, Golijovs Ainadamar, sowie Mahlers Zweite, Dritte und Achte Sinfonien. Er hat mit dem Chor die 2010 mit einem Grammy gekurte Aufzeichnung von Verdis Messa da Requiem unter der Leitung von Riccardo Muti vorbereitet. Diese Aufnahme ist Wolfes erste Grammy-Auzeichnung und die zehnte Aufnahme des Chors, die als „Best Choral Performance “ausgezeichnet worden ist.

© 2015 Chicago Symphony Orchestra